Noch eine Stunde, dann kann ich den letzten Programmpunkt fuer heute abhaken...Abendessen.
Heute war mein erster Arbeitstag im Cancer Center, aber seit Dienstschluss um 16.00 zieht sich die Zeit hier wie Kaugummie. Ich habe alles was ich zum Lesen gefunden oder bei mir habe gelesen...zweimal, Fernsehen gibt es nicht und die Stadt ist gerade so weit weg, dass ich sie nicht einfach so erreichen kann.
Alle Aerzte mit denen ich den Tag ueber zu tun hatte sind zu hause bei ihren Familien, hier geblieben sind nur noch die Patienten, einige Schwestern, der Hausmeister und das Securityteam...und keiner spricht Englisch, nur einige Hindi, dafuer alle fliessend Bengali...ausser mir.
Gerade hatte ich Besuch vom Koch der Kantine und dem Kuechenjungen, mit denen ich mich gestern ein wenig angefreundet habe. Das Ritual ist das gleiche wie gestern, schuechternes Klopfen, drei oder vier Brocken Englisch, 'Hello, sir'...'picture, Tiger?'...sie schauen sich die Bilder von dem Tieger in Rantanbore an, vom Taj Mahal, einige alte Photos von Heidelberg und Paris die noch auf meinem Photo gespeichert sind, wir hoeren 'America Music' und dann versuchen sie mir Bengali beizubringen. Sie deuten auf meine Nasen...'Nack', die Augen...'Tschock', die Ohren...'Kahn'...u.s.w.
Im Austausch lernen sie Nose, Eyes, Ears...u.s.w.
Ich habe auch einen handgeschriebenen Zettel mit dem bengalischen Alphabet bekommen, das sich nicht damit begnuegt z.B. fuer die Silbe 'do' je nach Aussprache 8 verschiedene Buchstaben vorzuschreiben, nein, kombiniert man 2 Silben werden nicht beide Buchstaben einfach nur hintereinander geschrieben, sondern je nachdem ob Konsonant auf Vokal oder Konsonant auf Konsonant oder Vokal auf Konsonant oder Vokal auf Vokal folgt, verschmelzen beide Zeichen in einer bestimmten Weise, die meistens nichts mehr mit den Ausgangsbuchstaben gemeinsam hat. Ich brauche zur Zeit Minuten um ein einzelnes Wort Bengali zu lesen, an Schreiben ist nicht zu denken.
...noch 40min
Fuer alle HNO Insider noch ein paar blutige Einblicke in den begalischen OP. Ich war heute bei einer Mikro. Flex. Panendo zum Staging eines monstoesen Zungengrundkarzinoms dabei, dass fast den ganzen Oropharynx verlegt hat. Abgesehen, dass die Panendo durch die Nase durchgefuehrt wurde gab es weder was Know How noch Equipment angeht kaum Unterschiede zu Deutschland.
Im Op geht es ein wenig gemuetlicher zu und es ist fast immer Zeit fuer einen Tee und ein Plaeuschchen. Die Chirurgen machen die selben Anaesthesistenwitze und die Anaesthesisten die selben Chirurgenwitze, sodass ich mich schnell wie zuhause gefuehlt habe.
Die einzige andere OP in meinem Saal war eine ZungenspitzenCa Resektion, mit einseitiger Neck und Extraktion aller verbliebener, karioeser Zaehne im Unterkiefer und abgesehen vom Zugangsweg, einer Art halbseitigem, erweitertem Kocher-Kragenschnitt, gab es kaum Unterschiede zum Vorgehen das ich gewohnt bin. Danach war Feierabend.
Ernuechternd ist alerdings die postoperative Perspektive. Es wird naemlich zwischen einer optimalen Nachbehandlung mit R/C Therapie und regelmaessiger Vorstellung und einer realistischen Nachbehandlung unterschieden. Auch wenn die Klinik hier als 'non-Profit' Organisation fortschrittliche Medizin zu minimalen Preisen anbietet, wird sich kaum einer der Patienten die teuren Medikamente leisten koennen, die bei uns selbstverstaendlich sind. Also wird gleich ein alternativer Therapieplan entwickelt, der sich auf zum Teil uralte Chemotherapeutika stuetzt, wissend, dass man so wesentlich mehr Nebenwirkungen und wesentlich weniger Therapieerfolge in Kauf nehmen muss.
Und ich muss mich fragen, bei allem was unser eigenes Gesundheitssystem zur Zeit mehr schlecht als recht am Laufen haelt, ist das wirklich die dunkle Vergangenheit?
Montag, 2. März 2009
Donnerstag, 26. Februar 2009
in der Kuerze liegt die Wuerze
... hier mal wieder ein kleiner Apetizer auf die Geschichten, die ich noch nicht geschrieben aber mit Sicherheit erlebt habe.
1. wilder Tieger mitten auf der Strasse gesehen ... und Beweisfoto gemacht.
2. vor dem Taj Mahal ueber Schoenheit und Aestetik gegruebelt
3. in Delhi again, Mahatma Gandhi's Grab besucht (u.a.)
4. eine Nacht am Flughafen verbracht, mir den Magen verdorben und einem japanischen Geschaeftsmann auf den Anzug gekotzt ... fast.
5. In Kolkata angekommen, im Fruehnebel mit 100 Indern ausgiebig gelacht, Tagore gelesen und die Europaeische Postmoderne dekonstruiert.
6. Die besten Momos der Welt an einem Strassenstand gegessen, den ich am naechsten Tag Stunden lang gesucht, aber nicht mehr habe finden koennen.
...vielleicht schaff ich es morgen...
1. wilder Tieger mitten auf der Strasse gesehen ... und Beweisfoto gemacht.
2. vor dem Taj Mahal ueber Schoenheit und Aestetik gegruebelt
3. in Delhi again, Mahatma Gandhi's Grab besucht (u.a.)
4. eine Nacht am Flughafen verbracht, mir den Magen verdorben und einem japanischen Geschaeftsmann auf den Anzug gekotzt ... fast.
5. In Kolkata angekommen, im Fruehnebel mit 100 Indern ausgiebig gelacht, Tagore gelesen und die Europaeische Postmoderne dekonstruiert.
6. Die besten Momos der Welt an einem Strassenstand gegessen, den ich am naechsten Tag Stunden lang gesucht, aber nicht mehr habe finden koennen.
...vielleicht schaff ich es morgen...
Mittwoch, 25. Februar 2009
25.2.09, Delhi Flughafen, 3:00
Ich rolle mich so gut es geht auf einem Stuhl zusammen, der nicht fuer meine Groesse gedacht ist, die Fuesse auf meinem Rucksack, der Kopf im Versuch zu schlafen nach vorne gefallen. Neben mir verdaut eine amerikanische Reisegruppe ihren Jetlag, ein mittelaltes Ehepaar aus Las Vegas auf dem Weg zu einer Kreuzfahrt, er mit schlecht sitzendem Toupe, sie in einer bunt gemusterten Bluse von der Groesse meines Schlafsacks. Eine muetterliche Krankenschwester aus Texas und Bob aus Jamaika, der ihr gerade eroeffnet dass die Regierung alle ihre Emails mitliesst.
Mein Plan war die Nacht im Schlafsaal des Flughafens zu verbringen um morgen frueh um 7 problemlos meinen Flieger nach Kolkata zu erwischen...Fehler Nr. 1.
Der Schlafsaal ist zwar offen und mein reserviertes Bett frei, um dorthin zu gelangen muss ich allerdings durch den ersten Sicherheitscheck und der macht erst wieder um 3:00 auf. Also jetzt oder in indischer Zeit irgendwann. Um 4:17 werde ich schliesslich durchsucht, muss meinen Ausweis, Visum und Ticket vorzeigen...doch mein Bett bleibt mir vorenthalten...'No, sir, no bag allowed here, first check in'...und fruehster Check In fuer meinen Flug ist 5:00 oder in indischer Zeit irgendwann wenn der Schalter besetzt ist.
Um 6:00 ist das noch nicht geschehen, dafuer aber mein Flug auf 9:20 verschoben worden...der Schalter bleibt bis 7:30 geschlossen. Jetzt brauch ich auch kein Bett mehr.
Kommen wir zu Fehler Nr. 2, der kleine Mitternachtssnack am Flughafen. Ab ca. 5:00 fuehle ich mich zunehmend furchtbar, der Magen mindestens 3x um die eigene Achse rotiert und ab ca. 6:00 weiss ich dass es damit heute kein appetitliches Ende mehr nehmen wird.
Um 7:31 stehe ich in der kuerzesten Schlange vorm Check In Schalter und konzentriere mich nur auf meine Atmung, einatmen, ausatmen, bloss nicht pressen oder an Essen denken.
Vor mir steht lediglich ein aelterer, indischer Herr und eine Gruppe chinesischer Jugendlicher...und die freundliche Dame am Schalter laesst gerade einen Uebersetzer kommen, da es keine gemeinsame sprachliche Basis zu geben scheint, dafuer aber einige schwerwiegende, administrative Probleme.
Ich habe so langsam Schweisstropfen auf der Stirn.
Nach einigen endlosen Momenten, ruecke ich einen Platz in der Schlange nach vorne, der aeltere Herr vor mir zeigt sein Ticket und gibt sein Gepaeck auf. Ich atme auf und greife nach meinem Rucksack. Nur noch ein paar kurze Wortwechsel von denen ich nichts verstehe, dann waere ich an der Reihe, doch die Lautstaerke des Wortwechsels hat eine beunruhigende Lautstaerke angenommen. Der aeltere Herr schlaegt mit der flachen Hand auf den Tresen und irgendwann stehen 3 Flughafenangestelte um ihn herum und versuchen ihn zu beruhigen...von mir nimmt keiner Notiz, auch nicht davon das ich so langsam komplett durchgeschwitzt bin und von einem Fuss auf den anderen wippe. Einatmen, ausatmen, bloss nicht an Essen denken.
Als ich endlich an der Reihe bin presse ich ein 'please, hurry' zwischen den Zaehnen hindurch, gebe hastig mein Gepaeck ab und eile zur Toilette.
Als ich die Tuer zur Toilette oeffne stehen im Vorraum vor den 3 Urinalen etwa 9 japanische Geschaeftsleute, alle im gleichen dunklen Anzug, die Aktentasche unter den Arm geklemmt und in hoefliche Gespraeche vertieft.
2 Toilettenkabinen sind verschlossen und 'out of order' vor den anderen 2 hat sich eine lange Schlange gebildet. Ich muss fast weinen als ich mich in ebenjene Schlange einreihe. Nach endlosen Minuten hilft alle antrainierte Contenance, das Einatmen und das Ausatmen und die beruhigenden Gedanken nichts mehr. Die japanische Delegation hat inzwischen die Waschbecken eingenommen und ich draenge mich zwischen Anzuegen, Acktentaschen und verdutzten Gesichtern hindurch zu einem der Waschbecken. Den letzten Japaner schiebe ich unsanft zur Seite und dann uebergebe ich mich minutenlang in eines der Waschbecken...im Raum ist es totenstill. Ich schaue in den Spiegel ueber mir und erschrecke, ich sehe aus wie ein Junkie auf Entzug...aber es geht mir sofort besser.
Ich verlasse die Toilette mit gesenktem Kopf, entschuldige mich tausendmal.
Draussen schlaegt mir einer der Japanar auf die Schulter, die Aktentasche immer noch unter den Arm geklemmt, laechelt mich mitleidig an und fragt 'feeling better now?' Ich laechle auch, doch bevor ich mich ein weiteres mal entschuldigen kann hat er sich schon umgedreht und auf den Weg zum Gate gemacht.
Ich rolle mich so gut es geht auf einem Stuhl zusammen, der nicht fuer meine Groesse gedacht ist, die Fuesse auf meinem Rucksack, der Kopf im Versuch zu schlafen nach vorne gefallen. Neben mir verdaut eine amerikanische Reisegruppe ihren Jetlag, ein mittelaltes Ehepaar aus Las Vegas auf dem Weg zu einer Kreuzfahrt, er mit schlecht sitzendem Toupe, sie in einer bunt gemusterten Bluse von der Groesse meines Schlafsacks. Eine muetterliche Krankenschwester aus Texas und Bob aus Jamaika, der ihr gerade eroeffnet dass die Regierung alle ihre Emails mitliesst.
Mein Plan war die Nacht im Schlafsaal des Flughafens zu verbringen um morgen frueh um 7 problemlos meinen Flieger nach Kolkata zu erwischen...Fehler Nr. 1.
Der Schlafsaal ist zwar offen und mein reserviertes Bett frei, um dorthin zu gelangen muss ich allerdings durch den ersten Sicherheitscheck und der macht erst wieder um 3:00 auf. Also jetzt oder in indischer Zeit irgendwann. Um 4:17 werde ich schliesslich durchsucht, muss meinen Ausweis, Visum und Ticket vorzeigen...doch mein Bett bleibt mir vorenthalten...'No, sir, no bag allowed here, first check in'...und fruehster Check In fuer meinen Flug ist 5:00 oder in indischer Zeit irgendwann wenn der Schalter besetzt ist.
Um 6:00 ist das noch nicht geschehen, dafuer aber mein Flug auf 9:20 verschoben worden...der Schalter bleibt bis 7:30 geschlossen. Jetzt brauch ich auch kein Bett mehr.
Kommen wir zu Fehler Nr. 2, der kleine Mitternachtssnack am Flughafen. Ab ca. 5:00 fuehle ich mich zunehmend furchtbar, der Magen mindestens 3x um die eigene Achse rotiert und ab ca. 6:00 weiss ich dass es damit heute kein appetitliches Ende mehr nehmen wird.
Um 7:31 stehe ich in der kuerzesten Schlange vorm Check In Schalter und konzentriere mich nur auf meine Atmung, einatmen, ausatmen, bloss nicht pressen oder an Essen denken.
Vor mir steht lediglich ein aelterer, indischer Herr und eine Gruppe chinesischer Jugendlicher...und die freundliche Dame am Schalter laesst gerade einen Uebersetzer kommen, da es keine gemeinsame sprachliche Basis zu geben scheint, dafuer aber einige schwerwiegende, administrative Probleme.
Ich habe so langsam Schweisstropfen auf der Stirn.
Nach einigen endlosen Momenten, ruecke ich einen Platz in der Schlange nach vorne, der aeltere Herr vor mir zeigt sein Ticket und gibt sein Gepaeck auf. Ich atme auf und greife nach meinem Rucksack. Nur noch ein paar kurze Wortwechsel von denen ich nichts verstehe, dann waere ich an der Reihe, doch die Lautstaerke des Wortwechsels hat eine beunruhigende Lautstaerke angenommen. Der aeltere Herr schlaegt mit der flachen Hand auf den Tresen und irgendwann stehen 3 Flughafenangestelte um ihn herum und versuchen ihn zu beruhigen...von mir nimmt keiner Notiz, auch nicht davon das ich so langsam komplett durchgeschwitzt bin und von einem Fuss auf den anderen wippe. Einatmen, ausatmen, bloss nicht an Essen denken.
Als ich endlich an der Reihe bin presse ich ein 'please, hurry' zwischen den Zaehnen hindurch, gebe hastig mein Gepaeck ab und eile zur Toilette.
Als ich die Tuer zur Toilette oeffne stehen im Vorraum vor den 3 Urinalen etwa 9 japanische Geschaeftsleute, alle im gleichen dunklen Anzug, die Aktentasche unter den Arm geklemmt und in hoefliche Gespraeche vertieft.
2 Toilettenkabinen sind verschlossen und 'out of order' vor den anderen 2 hat sich eine lange Schlange gebildet. Ich muss fast weinen als ich mich in ebenjene Schlange einreihe. Nach endlosen Minuten hilft alle antrainierte Contenance, das Einatmen und das Ausatmen und die beruhigenden Gedanken nichts mehr. Die japanische Delegation hat inzwischen die Waschbecken eingenommen und ich draenge mich zwischen Anzuegen, Acktentaschen und verdutzten Gesichtern hindurch zu einem der Waschbecken. Den letzten Japaner schiebe ich unsanft zur Seite und dann uebergebe ich mich minutenlang in eines der Waschbecken...im Raum ist es totenstill. Ich schaue in den Spiegel ueber mir und erschrecke, ich sehe aus wie ein Junkie auf Entzug...aber es geht mir sofort besser.
Ich verlasse die Toilette mit gesenktem Kopf, entschuldige mich tausendmal.
Draussen schlaegt mir einer der Japanar auf die Schulter, die Aktentasche immer noch unter den Arm geklemmt, laechelt mich mitleidig an und fragt 'feeling better now?' Ich laechle auch, doch bevor ich mich ein weiteres mal entschuldigen kann hat er sich schon umgedreht und auf den Weg zum Gate gemacht.
Sonntag, 15. Februar 2009
Jaipur
Wir sind in Jaipur, "die Stadt des Sieges ist chaotisch und verstopft, hat aber immer noch die Angewohnheit Reisende zu verwoehnen. Beeindruckende Bergfestungen und herrliche Palaeste zeugen von einer reichen Vergangenheit. Turbane wie aus Zuckerwatte gedreht ziehen einen leuchtenden Pfad durch die geschaeftigen Bazare und strahlende Saris flattern im Wind. Und aehnlich wie ihr Gruender Jai Singh II. ist auch die "Rosa Stadt" stolz und unverwuestlich."
Das sagt mein Reisefuehrer und ich habe nichts hinzuzufuegen.





Das sagt mein Reisefuehrer und ich habe nichts hinzuzufuegen.
Mittwoch, 11. Februar 2009
Delhi
Es ist kalt, rau, es hat lange geregne und es ist stockdunkel. Der Taxifahrer, der versprochen hat uns vom Flughafen zu unserem Hotel zu bringen, biegt gerade von der Hauptstrasse in eine dunkle, unbefestigte Seitenstrasse ein und wir versinken augenblicklich im Matsch.
Man kann wenig erkennen, ein paar verrammelte Laeden, in einer Ecke ein paar geduckte Gestalten um ein klaegliches Feuer, rechts von uns durchwuehlt eine Huendin mit ihren zwei Jungen einen Muellberg, in der Ferne ein wenig Licht.
"You want Spice Otel?" ... unser Hotel heisst Smile Inn, aber das ist fuer unseren Fahrer unmoeglich auszusprechen. Wir haben uns verfahren und ernten nur ratloses Schulterzucken, wenn wir wieder einmal nach Spice Otel fragen. "No, no, SMILE INN, S.M.I.L.E., Smile Inn!"
"Yes, yes, Spice Otel"
Wir sind mitten im Main Bazar in Paharganj, einem Viertel von Delhi, das laut Reisefuehrer "einen zweifelhaften Ruf geniesst und vorallem fuer seine Drogenszene und die vielen zwielichtigen Gestalten bekannt ist."
Letztendlich finden wir unser Ziel in einer der vielen, namenlosen Seitenstrassen und wir muessen das letzte Stueck laufen, da das Taxi weder den engen Gassen noch dem Matsch gewachsen ist in dem wir uns immer wieder festfahren.
Der Mann an der Rezeption schlaeft auf einer Couch in der Ecke, schreckt aber auf als wir das Hotel betreten und fuehrt uns zu unserem Zimmer. Im Treppenhaus muessen wir ueber eine verdaechtige, gruenbraune Pfuetze steigen und es riecht nach Erbrochenem.
Trotzdem ist das Zimmer in Ordnung, es ist sauber, die Betten frisch bezogen und im Bad laeuft warmes Wasser, der einzige Wehrmutstropfen ist ein Loch im Fenster, durch das es empfindlich zieht und das wir mit einer Wolldecke stopfen. Wie haben schon schlimmere Absteigen ueberlebt. Ich verriegle sorgfaeltig die Tuer, stopfe meinen Geldbeutel und mein Taschenmesser unter mein Kopfkissen und kurz bevor ich einschlafe, muss ich darueber nachdenken warum ich jetzt hier und nicht in meinem warmen Bett in Mannheim schlafe.
Ich mag mein konfortables Zuhause, aber ich habe hier wie ein Baby in einem einfachen Feldbett geschlafen, in einer schmucklosen Kammer mit gestampften Lehmboden. Die warme Dusche am Morgen ist fantastisch, aber kaltes Wasser auf dem Hof reicht manchmal vollkommen aus um sich wie ein neuer Mensch zu fuehlen. Wir hatten Toiletten, die nichts mehr als ein Loch im Boden hinter einer huefthohen Mauer waren und das ist Ok. Wir haben in einer dreckigen Stadt, in einem fenstelosem Zimmer mit gelbfleckiger Bettwaesche geschlafen, Kakerlaken im Bad, im Zimmer, einmal sogar auf dem Teller, dort allerdings bereits verstorben. Wir haben uns mit Massen von fremden Menschen in Busse, Zuege, Strassen und Gassen gequetscht und sind ueberall gut angekommen. Ich habe aufgehoert zur Seite zu springen wenn mitten in der Stadt eine Horde Kuehe/Ziegen/Hunde/Affen an mir vorueberstuermt, denn ich weiss sie haben ihre eigenen Ziele und ich bin nichts weiter als einer dieser vielen Zweibeiner im Weg, nichts Besonderes.
Es ist als ob Indien, dieser Kontinent fuer mich fremder, fremdhaft-vertrauter Welten und absolut unverstaendlicher Welten mich zwingt meine althergebrachten Massstaebe zu destillieren. Vieles was mir wichtig ist, auf das ich stolz bin oder mir etwas einbilde, all diese vertrauten Kulturen, Kultiviertheiten, die Spielchen und komlexen Spielregeln all diese Ueberlegenheiteleien muessen hier neu bewertet werden.
Kaum jemand hier hat die Buecher gelesen die ich gelesen habe, die Erfahrungen gemacht die ich gemacht habe oder die Schluesse gezogen die ich gezogen habe. Meine Plattensammlung, dieses tolle Zitat von Tolstoi oder die 64 Espressotassen und Perserteppiche im Haus meiner Eltern, in der Welt des Samosa-Verkaeufers an der Ecke spielt das alles nicht die geringste Rolle und ich bin sicher, trotz allem was ich weiss oder kann, in seiner Welt in seinem Leben waere ich aufgeschmissen. Was davon ist wirklich wichtig, was ist reine Kuer und was nur Ablenkung?
Im besten Fall macht Indien bescheiden und demuetig. Ich muss an ein Zitat von Cees Nooteboom denken, "ich hatte 1000 Leben und nahm doch nur eins."
Es gibt keinen einzigen Grund zur Ueberheblichkeit, fuer niemanden. All die Welten die wir uns im Laufe unseres einen Lebens erschlossen oder erschaffen haben, heimisch oder heilig gemacht, die uns Zuhause oder nur zeitweise eine Zuflucht sind, so gross ihre Zahl oder so komplex ihre Architektur auch ist, sie koennen doch nie die 1000 Leben aufwiegen, die uns verborgen bleiben, die 10000 Welten die uns nicht Zuhause sind, in denen wir uns schwerfaellig und tollpatschig bewegen, von denen wir rein gar nichts wissen und in denen wir keine Rolle spielen.
Wir sind nur so wenig, nur ein kurzer Blick, ein Aufflackern und so vieles bleibt im Dunkeln.
Wirklich kein Grund zur Ueberheblichkeit.
Man kann wenig erkennen, ein paar verrammelte Laeden, in einer Ecke ein paar geduckte Gestalten um ein klaegliches Feuer, rechts von uns durchwuehlt eine Huendin mit ihren zwei Jungen einen Muellberg, in der Ferne ein wenig Licht.
"You want Spice Otel?" ... unser Hotel heisst Smile Inn, aber das ist fuer unseren Fahrer unmoeglich auszusprechen. Wir haben uns verfahren und ernten nur ratloses Schulterzucken, wenn wir wieder einmal nach Spice Otel fragen. "No, no, SMILE INN, S.M.I.L.E., Smile Inn!"
"Yes, yes, Spice Otel"
Wir sind mitten im Main Bazar in Paharganj, einem Viertel von Delhi, das laut Reisefuehrer "einen zweifelhaften Ruf geniesst und vorallem fuer seine Drogenszene und die vielen zwielichtigen Gestalten bekannt ist."
Letztendlich finden wir unser Ziel in einer der vielen, namenlosen Seitenstrassen und wir muessen das letzte Stueck laufen, da das Taxi weder den engen Gassen noch dem Matsch gewachsen ist in dem wir uns immer wieder festfahren.
Der Mann an der Rezeption schlaeft auf einer Couch in der Ecke, schreckt aber auf als wir das Hotel betreten und fuehrt uns zu unserem Zimmer. Im Treppenhaus muessen wir ueber eine verdaechtige, gruenbraune Pfuetze steigen und es riecht nach Erbrochenem.
Trotzdem ist das Zimmer in Ordnung, es ist sauber, die Betten frisch bezogen und im Bad laeuft warmes Wasser, der einzige Wehrmutstropfen ist ein Loch im Fenster, durch das es empfindlich zieht und das wir mit einer Wolldecke stopfen. Wie haben schon schlimmere Absteigen ueberlebt. Ich verriegle sorgfaeltig die Tuer, stopfe meinen Geldbeutel und mein Taschenmesser unter mein Kopfkissen und kurz bevor ich einschlafe, muss ich darueber nachdenken warum ich jetzt hier und nicht in meinem warmen Bett in Mannheim schlafe.
Ich mag mein konfortables Zuhause, aber ich habe hier wie ein Baby in einem einfachen Feldbett geschlafen, in einer schmucklosen Kammer mit gestampften Lehmboden. Die warme Dusche am Morgen ist fantastisch, aber kaltes Wasser auf dem Hof reicht manchmal vollkommen aus um sich wie ein neuer Mensch zu fuehlen. Wir hatten Toiletten, die nichts mehr als ein Loch im Boden hinter einer huefthohen Mauer waren und das ist Ok. Wir haben in einer dreckigen Stadt, in einem fenstelosem Zimmer mit gelbfleckiger Bettwaesche geschlafen, Kakerlaken im Bad, im Zimmer, einmal sogar auf dem Teller, dort allerdings bereits verstorben. Wir haben uns mit Massen von fremden Menschen in Busse, Zuege, Strassen und Gassen gequetscht und sind ueberall gut angekommen. Ich habe aufgehoert zur Seite zu springen wenn mitten in der Stadt eine Horde Kuehe/Ziegen/Hunde/Affen an mir vorueberstuermt, denn ich weiss sie haben ihre eigenen Ziele und ich bin nichts weiter als einer dieser vielen Zweibeiner im Weg, nichts Besonderes.
Es ist als ob Indien, dieser Kontinent fuer mich fremder, fremdhaft-vertrauter Welten und absolut unverstaendlicher Welten mich zwingt meine althergebrachten Massstaebe zu destillieren. Vieles was mir wichtig ist, auf das ich stolz bin oder mir etwas einbilde, all diese vertrauten Kulturen, Kultiviertheiten, die Spielchen und komlexen Spielregeln all diese Ueberlegenheiteleien muessen hier neu bewertet werden.
Kaum jemand hier hat die Buecher gelesen die ich gelesen habe, die Erfahrungen gemacht die ich gemacht habe oder die Schluesse gezogen die ich gezogen habe. Meine Plattensammlung, dieses tolle Zitat von Tolstoi oder die 64 Espressotassen und Perserteppiche im Haus meiner Eltern, in der Welt des Samosa-Verkaeufers an der Ecke spielt das alles nicht die geringste Rolle und ich bin sicher, trotz allem was ich weiss oder kann, in seiner Welt in seinem Leben waere ich aufgeschmissen. Was davon ist wirklich wichtig, was ist reine Kuer und was nur Ablenkung?
Im besten Fall macht Indien bescheiden und demuetig. Ich muss an ein Zitat von Cees Nooteboom denken, "ich hatte 1000 Leben und nahm doch nur eins."
Es gibt keinen einzigen Grund zur Ueberheblichkeit, fuer niemanden. All die Welten die wir uns im Laufe unseres einen Lebens erschlossen oder erschaffen haben, heimisch oder heilig gemacht, die uns Zuhause oder nur zeitweise eine Zuflucht sind, so gross ihre Zahl oder so komplex ihre Architektur auch ist, sie koennen doch nie die 1000 Leben aufwiegen, die uns verborgen bleiben, die 10000 Welten die uns nicht Zuhause sind, in denen wir uns schwerfaellig und tollpatschig bewegen, von denen wir rein gar nichts wissen und in denen wir keine Rolle spielen.
Wir sind nur so wenig, nur ein kurzer Blick, ein Aufflackern und so vieles bleibt im Dunkeln.
Wirklich kein Grund zur Ueberheblichkeit.
Dienstag, 10. Februar 2009
Ajanta und Ellora
Montag, 9. Februar 2009
Aurangabat
Wir haben Aurangabat zum Ausgangspunkt fuer unsere Tour nach Ajanta und Ellora gemacht, zu der wir morgen und uebermorgen aufbrechen. Doch auch wenn Aurangabat selbst keine Touristenstroeme anzieht, haben wir es geschafft ein straffe Sightseeingprogramm fuer den heutigen Tag zusammenzustellen. In kurzer Abfolge besichtigen wir die oertlichen Hoehlentempel, die zwar schon ziemlich beeindrucken, aber doch nur einen ersten Eindruck davon geben koennen was uns morgen erwartet. Mitten in die Felsen vor der Stadt, in einer oeden, trockenen Lanschaft haben buddhistische Moenche im 6Jh. nach Chr. Tempel in den Fels geschlagen.



Naechstes Ziel ist das Bibi-Qa-Maqbara, ein pompoeses Grabmahl im Stile des Taj Mahals. Lustige Geschichte; der Erbauer des orginalen Taj Mahals in Agra wurde fuer seine Verschwendungssucht vom eigenen Sohn enttrohnt und hingerichtet, dieser Sohn, Aurangazeb, ist der Erbauer des Bibi-Qu-Maqbara. Wie zum Fluch ziehrt das Taj Mahal heute noch unzaehlige Reisegeschichten doch den Nachfolger ziehren hoechstens dezente Verfallserscheinungen.



In einer oertlichen Weberei konnten wir die Arbeit bestaunen die in dieser Form schon seit Jahrhunderten die Geschichte der Stadt praegt. Auf orginalen, uralten Webstuehlen fabrizieren Frauen fuer 100 Rs Tagesverdienst die teueren Stoffe fuer die Saris der neuen Maharadschas.
Die Arbeit an einem Sari dauert hier bis zu einem Jahr und der Endpreis liegt bei bis zu 300000 Rs.


Naechstes Ziel ist das Bibi-Qa-Maqbara, ein pompoeses Grabmahl im Stile des Taj Mahals. Lustige Geschichte; der Erbauer des orginalen Taj Mahals in Agra wurde fuer seine Verschwendungssucht vom eigenen Sohn enttrohnt und hingerichtet, dieser Sohn, Aurangazeb, ist der Erbauer des Bibi-Qu-Maqbara. Wie zum Fluch ziehrt das Taj Mahal heute noch unzaehlige Reisegeschichten doch den Nachfolger ziehren hoechstens dezente Verfallserscheinungen.
In einer oertlichen Weberei konnten wir die Arbeit bestaunen die in dieser Form schon seit Jahrhunderten die Geschichte der Stadt praegt. Auf orginalen, uralten Webstuehlen fabrizieren Frauen fuer 100 Rs Tagesverdienst die teueren Stoffe fuer die Saris der neuen Maharadschas.
Die Arbeit an einem Sari dauert hier bis zu einem Jahr und der Endpreis liegt bei bis zu 300000 Rs.
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