Samstag, 7. Februar 2009

Mumbai again

Ich habe wohl aufgehoert mich zu wundern, mein Blick wandert nicht mehr so ziellos umher, meine Fuesse finden automatisch einen sicheren Stand auf dem aufgebrochenen Asphalt und meisstens recht schnell eine Luecke im chaotischen Verkehr, meine Haut ist kuehl obwohl sie es nicht sein sollte und selbst der unnachgiebige, andauernde Strassenlaerm erscheint mir geradezu entspannend. Habe ich mich so schnell an Indien gewoehnt, meine Relationen verschoben?
Nach 6 Wochen und der Durchquerung des kompletten Kontinents von Ost nach West und wieder zurueck von Westen nach Osten, sind wir heute wieder in Mumbay angekommen um Judith's Eltern zu treffen. Doch das Mumbay, das chaotische, laute, ueberfordernde Mumbay das wir bei unserer Ankunft erlebt haben ist nicht mehr das selbe. Mit staunenden Augen laufen wir durch eine Stadt die es uns vergleichsweise einfach macht uns direkt wohlzufuehlen.
Noch zwei Tage koennen wir es geniessen, dann geht es weiter nach Aurangabad, Ajanta und Ellora, diesmal zusammen mit Judith's Eltern und von dort aus, wieder zu zweit, in den Norden nach Delhi ... ich bin gespannt.

Freitag, 6. Februar 2009

Bhubaneswar

Wir sind heute in Bhubaneswar und da es absolut nichts Interessantes ueber diese Stadt zu schreiben gibt (ausser, dass hier ein Museum mit dem schoenen Namen "Museum fuer Astrophysik und Insekten" und ein trauriger Zoo existiert), hier einige meine reiseinduzierten Essensphantasien:

Ein noch warmes, franzoesisches Baguette, zwei oder drei verschiedene gute Weichkaese, ein kleines Schaelchen in Oel eingelegte Oliven mit einem Hauch Zitrone und Rosmarin, dazu ein sehr guter Spaetburgunder oder Portugiser.

Dampfende, pfaelzer Bratkartoffeln mit frisch angeruehrtem weissen Kaese, ein Schaelchen mit gewuerfelten Scharlotten und ein Schaelchen mit fein gehacktem Schnittlauch, dazu ein Schoppenglas eiskatlte Traubensaftschorle.

Einen stinknormalen Filterkaffee, schwarz und ohne Zucker!

Zwei Kugeln, Nuss-Erdbeere in der Waffel zum Mitnehmen und dann ein Spaziergang durch die Fussgaengerzone.

Eine grosse Schuessel Eisbergsalat, mit Tomaten, Paprika, Gurken und Mozarella, ein gutes dunkles Brot, etwas gesalzene Butter und gehacktes Schnittlauch, dazu einfach nur kaltes, klares Wasser ohne Kohlensaeure.

Pizza bestellen, Fuesse hochlegen, Fernseh anschalten, dazu Cola.

Ein Pils.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Tagestouren

Wir haben Puri zum Ausgangspunkt fuer einige Tagestouren gemacht.
Hier nur einige Bilder vom Chilika See, dem Pilgerzentrum in Puri und dem Sonnentempel in Kornak, Text kommt sobald ich Zeit und Musse finde.

der Chilika See:



in den Gassen von Puri:




der Sonnentempel in Kornak:




Dienstag, 3. Februar 2009

hierfuer wurde der Farbfilm erfunden ...



... keine weiteren Argumente notwendig.

Samstag, 31. Januar 2009

in Puri

Wir sind in Puri. Indisches Strandbad. Der gigantische Jagannath Tempel. Wichtiges Pilgerzentrum Shiva glaeubiger Hindus. Ein ehemalige Sommerhaus eines verarmten Maharadshas.



Gleich hinter dem grossen, hoelzernen Tor, hinter der ersten kalkweissen Mauer beginnt der Garten. Hinter mir die gerade noch laute, immer rot-staubige, aufdringliche Strasse mit ihren Geruechen und Fluechen, vor mir ein mit kleinen, graublauen Steinen ausgelegter Weg durch den satten Rasen, Schatten unter alten Baeumen und, links von mir, unter dem Vordach einer kleinen Wekstadt zwei doesende Hunde.
Um ins Haus zu kommen muss ich das zweite Tor, die zweite kalkweisse Mauer passieren, einige Stufen auf die Veranda, die Schuhe abstreifen, barfus auf matten Mamor dem Arkadengang folgen, vorbei an der Kueche in mittaeglicher Ruhe, die alte, hoelzerne Treppe zum ersten Stock links neben mir und dann nur noch eine hohe, geschnitzte Tuer in die Halle.
Es gibt eine Bibliothek von Austen bis Turgenew und eine Terasse mit einem langen, schweren Holztisch an dem sich abends alle Gaeste des Hauses versammeln.
Unser Zimmer hat eine ca. 6 Meter hohe Decke an der sich gemaechlich ein Ventillator dreht. Vor den drei Fenstern schwingen gemaechlich lange, safrangelbe Vorhaenge in der Meeresbrise (man kann das Meer sehen, riechen und die salzige, feuchte Luft auf der Haut spueren), davor steht ein altersweiser, dukler Schreibtisch. Die Betten stehen mitten im Raum und sind frisch bezogen, es gibt ein grosses Badezimmer in dem ein Gecko wohnt und frische Handtuecher.
Nach 24 Stunden in Zuegen und Bussen, nach einer heiss ersehnten Dusche, falle ich auf mein Bett und verbringe die letzten wachen Momente damit die Umdrehungen des Ventillators zu zaehlen.

Abends kommt hier soetwas wie Kolonialgefuehle auf. Zu den Gaesten die mit uns hier wohnen gehoert eine 40 jaehrige Schweizerin, die seit 2 Jahren mit ihrem Motorad die Welt bereist.
Sie vergleicht gerade ihre Route mit der eines schon ergrauten deutschen Weltenbummlers; Iran, Afganistan, Parkistan, dann ueber die Grenze bei Attari Einreise nach Indien, von dort geplant weiter nach Thailand, Kamodsha, mit dem Schiff nach Japan, dann nach China, Russland und schliesslich ueber den sibirischen Fruehling zurueck nach Europa.
Etwas weiter sitzt ein britisher Ingenieur, der gerade aus Afganistan kommt wo er fuer seine Firma eine Baustelle besichtigt hat, im Gespraech mit einer jungen australischen Theaterschauspielerin, die hier Urlaub macht. Eine junge Englaenderin und ihr kanadischer Freund sind gerade angekommen. Sie arbeiten in einem nahegelegenen Ort fuer eine Hilfsorganisation und betreuen dort Heimkinder.
Es gibt einen australischen Jogalehrer, der sich hier von seiner Zeit in einem indischen Ashram erhohlt, einen dauerkiffenden Schotten und eine 70 jaehrige Norwegerin ... und uns.

Beim Fruehstueck setzt sich die betagte Dame aud Norwegen neben mich. Sie hat sich ihren eigenen Kaese aus der Heimat, Butter und Brotaufstrich mitgebracht, weil "I, no like India food, so spice" Trotzdem wird sie gerade von einem Hustenanfall durchgeschuettelt und Brocken des norrwegischen Kaese verteilen sich auf dem Tisch. "Ahoh, bad here"
Als der indische Koch an uns vorueber geht stopt sie ihn, kramt kurz in ihrer Tasche und holt einen Bildband von Norwegen heraus den sie ihm herausfordernd unter die Nase haelt.
"Here, look, so nice and clean ... here not clean" das letzte mit einer Geste die den Tisch miteinschliesst auf dem immer noch die Kaesebrocken liegen.
Gegen Mittag verschwindet sie an den Strand, wovon ein monstroeser Sonnenbrand zeugt, und kommt mit Geschichten ueber die "funny Indians" zurueck, doch ihre groesste Sorge am Abend gilt den Moskitos. Ihre erste Frage wenn sie einen Raum betritt ist "Ohah, no Moskito here" oder die Feststellung "Ohah, Moskito here, they killing me" gefolgt von "Ohah, morrre Spray" woraufhin sie beginnt den Raum mit Chemikalien auszuraeuchern. "Ohah, they killing me, bad here"

Andererseits gibt es auch noch "Tiger Dave from Scottland", der neben seiner Vorliebe fuer berauschende Kraeuter und der Tatsache dass er schon seit einem Jahr hier im Hotel wohnt vorallem durch seine belesene, weltoffenen und ruhig vorgetragenen Ansichten auffaellt.
Er hat gerade aus dem Gedaechtnis fuer Judith einen detaillierten Stadtplan von Bankok gezeichnet und beginnt nun empfehlenswerte Hotels, Shops und Bars einzuzeichnen, inklusive Namen und Eigenarten des Besitzers.
Nach zirka einer halben Stunde sich auftuermender Fakten und Geschichten wende ich mich wieder dem Buch zu dass ich in der Bibliothek gefunden habe. Tolstoi passt vielleicht nicht nach Indien, aber hier neben mir koennte nun auch Graf aus "Zwei Hussaren" sitzen und ich wuerde mich nicht wundern.
Es gibt wohl keine Kolonialromantik, nicht fuer die Einheimischen in der Kueche und schon gar nicht fuer die wartenden Rikschafahrer vor dem Tor, fuer uns allerdings, die wir die Privilegien einer starken Waehrung geniessen, entfalten diese faulen Tage auf einer weiss getuenchten Terasse einen nebeligen Zauber, den man so nur in wehmuetigen Erinnerungen an eine vielleicht nie dagewesenen Vergangenheit erwartet haette.

im Nachtzug nach Bhubaneswar

Da ich mich nicht noch mehr ueber die Unzulaenglichkeiten des Reisens in Indien auslassen moechte, hier nur eine kleine Notiz.
Es haette werden koennen: langweilig, lange, unangenehm, unbequem ...
Dank einer fantastischen Reisebegleitung, zufaellig zusammengewuerfelt im gleichen Abteil, wurde es: interessant, lustig, unbequem aber kurzweilig, eine ganze Nacht voller fantastischer Gespraeche, fast schade auszusteigen und unsere neuen Bekanntschaften zuruekzulassen.

Donnerstag, 29. Januar 2009

Kontraste

... es dauert vielleicht eine Sekunde, das Laecheln ist schuechtern aber strahlend, die Augen noch geschlossen, ihr Kopf ist ihm noch zugewendet, ihre Haende zaertlich in seine Haende gelegt. Sie hat ihren Schleier zurueckgeschlagen und doch sieht man nur einen kleinen Ausschitt ihres Gesichts, das, umrahmt von tiefschwarzen Tuechern, umso ausdrucksstaerker wirkt.

Wir sind gerade im Park der Qutb-Shah Grabmaehler, nachdem wir in der Mittagshitze das Golconda Fort besichtigt haben. Hier vor den Toren der Stadt, in einem bluehenden Park haben sich die ehemaligen Herrscher Hyderabads weisse, mit gossen Kuppeln ueberdachte Palaeste fuer nichts als ihre sterblichen Ueberreste erbaut.




Doch das ist lange Zeit her. Heute scheint es, als habe sich die streng bewachte, muslimische Jugend diesen Ort, diesen friedliche Oase, ausgesucht, um wenigstens kurz und schuechtern den Traditionen ihrer Eltern zu entkommen. Unter den alten Baeumen, vorbei an steinernen Zeugen vergangener Ueberheblichkeit spazieren junge Paerchen, Hand in Hand, er in seiner besten Hose und schoensten Hemd, sie eingehuellt in eine schwarze Burka.
Und gerade, als ich um die Ecke eines der Grabmaehler trete, ueberrasche ich ein junges Paar bei ihrem ersten, schuechternen Kuss. Es dauert nur eine Sekunde und als sie mich sehen sind sie wieder nichts als verschleierte, verschaemte Tradition. Ich beschleunige meinen Schritt, ueberlasse sie wieder ihrer Zweisamkeit an diesem wunderschoenen Ort und wuensche ihnen alles Gute. Welch erhabene Ironie des Lebens ...